Prof. Dr. Andreas Hahn

Ernährungswissenschaftler
Universität Hannover

Prof. Dr. Andreas Hahn, geboren 1962 in Grünberg/Hessen, ist Geschäftsführender Leiter des Instituts für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover sowie Leiter der dortigen Abteilung Ernährungsphysiologie und Humanernährung.


Paleo-Ernährung - die artgerechte (vegane) Alternative?

Die „Paleo-Diet“ (Steinzeiternährung oder paläolithische Ernährung) stößt derzeit auf großes Interesse. Die Protagonisten dieser auf naturwissenschaftlichen Überlegungen basierenden Ernährungsweise postulieren, dass der Stoffwechsel des modernen Menschen genetisch noch immer an die Ernährungsweise der Altsteinzeit angepasst sei. Deshalb soll es sich um die einzige „optimale“ Ernährung für den Menschen handeln. Grundsatz einer Paleo-Ernährung ist es, den menschlichen Organismus so zu ernähren, wie es seiner evolutionär-genetischen Anlage entspricht, um die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern, das Wohlbefinden zu verbessern und Krankheiten vorzubeugen. Eine (Nahrungs-)Umwelt, die vom altsteinzeitlichen Muster abweicht, soll hingegen die Gesundheit beeinträchtigen und zu Erkrankungen führen, da der Mensch nicht an diese moderne Ernährung angepasst sei. Vermieden werden deshalb alle Lebensmittel, die erst mit dem von Ackerbau und Viehzucht vor ungefähr 12.000 Jahren Eingang in die menschliche Ernährung gefunden haben. Getreide, Milchprodukte und Leguminosen sowie Speiseöle und -salz, isolierte Zucker und daraus hergestellte Erzeugnisse fehlen deshalb ebenso wie alkoholhaltige Getränke (Bier, Wein). Die Paleo-Ernährung besteht somit aus Wildfleisch, Insekten, Eiern, Fisch und Meeresfrüchten, Frucht- und Knollengewächsen sowie Blattgemüse, Nüssen und Samen zusammen, ergänzt um geringe Mengen Honig.
Bei genauer Betrachtung zeigt das Konzept der Paläo-Ernährung gravierende Schwächen und lässt sich bereits biotheoretisch widerlegen. Zudem ist es schwierig, insbesondere in quantitativer Hinsicht, genaue Aussagen zur prähistorischen Ernährung zu machen. So war die etwa 2,3 Millionen Jahre umfassende Epoche der Altsteinzeit von keiner einheitlichen Ernährungsweise geprägt und auch lokal sehr variabel. Deshalb bleibt unklar, wie die Ernährung im Detail beschaffen sein sollte. War die Nahrung des Menschen eher pflanzlich ausgerichtet und wies einen höheren Kohlenhydratanteil auf? Oder umgekehrt eher fleisch- und fischreich sowie kohlenhydratreduziert? Letztlich lassen sich beide Positionen begründen.
Bislang liegen keine langfristigen Interventions- und Beobachtungsstudien zur Paleo-Ernährung vor. Als Vergleich werden deshalb häufig moderne Jäger und Sammler herangezogen. Diese weisen – mit Ausnahme der sich vorwiegend von Fleisch und Fisch ernährenden Inuit - trotz sehr unterschiedlicher Anteile an pflanzlicher und vom Tier stammender Nahrung einen guten Gesundheitszustand und ein geringeres Risiko vor chronisch-degenerative Erkrankungen auf. Vieles spricht allerdings dafür, dass diese Befunde nicht nur auf die spezifische Jäger-und-Sammler-Ernährung zurückzuführen sind, sondern auch auf andere Lebensstilfaktoren (Bewegung, Fehlen von Disstress, Schlafverhalten.

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